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Von Noten, Selbstbetrug und noch viel mehr Scheiße

13. Februar 2013

Klausurenphase
Nicht unbedingt schön. Gedanklich dreht man sich hauptsächlich um die nächste Klausur, was dazu führt, dass alle Gespräche irgendwann auf diese Schiene abgleiten. Egal. Ist eben so.

Heute gab es die Noten meiner ersten Klausur.
Mittelmaß. Hatte es erwartet. War in keiner Vorlesung, habe mich nicht sonderlich bei der Vorbereitung überarbeitet. Kosten/Nutzen technisch gesehen absolut ok.

Aber ich bin unzufrieden. Unzufrieden mit mir. Die Note spiegelt nicht das wider, was ich zu leisten im Stande bin. Sie gibt weder meine Fähigkeiten, noch Kompetenzen oder meine Intelligenz adäquat wieder. Natürlich ist das eine Selbsteinschätzung und es gibt wohl keinen anderen Bereich, der mehr der eigenen Subjektivität unterworfen wäre, aber das spielt in diesem Kontext keine Rolle.
Es geht nicht primär um die Note. Es ist das, was man von sich selbst erwartet und ich erwarte von mir, meine eigenen Erwartungen zu übertreffen. Paradox, ich weiß.

Gut. Habe nun mal diese Note. Fuck it. Sage ja selbst seit Jahren, dass Noten kein adäquater Spiegel für Intelligenz sind. Ist bloß immer einfach etwas zu sagen, wenn man oben auf ist. Wenn man gut ist, kann man viel sagen. Rational stimme ich dem immer noch zu, aber es fühlt sich nicht so an.

Worauf soll man das eigene Überlegenheitsgefühl aufbauen, wenn man von Menschen umgeben ist, die sich wie kleine Kinder freuen, weil sie eine bessere Note haben als man selbst. Das muss schmerzen.
Gerade, wenn es wie in diesem Fall, eine Multiple-Choice Klausur ist, in der auswendig gelerntes Wissen getestet wird. Das bin ich nicht. Ich war nie gut im auswendig lernen. Ich muss ein Thema verstehen. Ich muss einen Text dazu schreiben. Ich muss demjenigen, der es bewertet, zeigen können, dass ich das Thema verstanden oder zumindest mir Gedanken dazu gemacht habe.
Ich muss das Gefühl haben, mehr als bloß abgespeichertes Wissen wiederzugeben, ich muss einen Teil von mir einbauen.

Klingt völlig irre. Wahrscheinlich auch sehr arrogant. Billige Ausflüchte von jemandem, der einfach nicht genug gelernt hat, um die Note zu bekommen, die er wollte. Ich weiß witzigerweise nicht mal, was ich denn eigentlich wirklich wollte.

Früher hatte ich in dieser Situation wenigstens meine Eltern. Nein, nicht weil sie mir Rückhalt, sondern weil sie mir Contra gaben. Weil sie wussten, dass ich hätte besser sein können. Weil sie mehr von mir erwarteten. Ich hingegen tat immer so, als sei doch eigentlich alles ok und wenn überhaupt liege der Fehler ja an der Klausur. Ich konnte meine Unzufriedenheit mit mir selbst auf sie projizieren, indem ich sie, die „so unfaire Anforderungen an mich“ hatten, bekämpfte.
Geht heute auch nicht mehr.

Und da ich nicht so irrational bin, die Fehler beim Prof, der Klausur oder der kosmischen Strahlung in der Nacht vor der Klausur zu suchen, stehe ich nun alleine mit meiner Unzufriedenheit mit mir selbst da.
And guess what! I won’t change. Ich werde für die nächste Klausur nicht mein Arbeitspensum drastisch erhöhen, ich werde im nächsten Semester nicht mit einer komplett neuen Einstellung an eher ungeliebte Vorlesungen heran gehen.  Ich werde wieder denken, dass, wenn ich nur etwas mehr von mir selbst in die Klausur einbringen kann, schon alles super duper mega toll wird.
Das heißt, ich kann diesen Blogeintrag in 6 Monaten spätestens wieder ausgraben und neu veröffentlichen. So hat alles sein Gutes.

Verantwortung

13. Januar 2012

Diese Karikatur entspricht leider der Realität. Meine Mutter ist Lehrerin und es vergeht keine Woche, in der sie sich nicht mit wütenden Eltern auseinandersetzen muss, die meinen ihre Sprösslinge seien doch viel besser als die 7 Notenpunkte, die sie bekommen hätten. Dabei sind diese Schüler mit den Noten noch gut bedient, ich lese mir gelegentlich deren Klausuren durch und bin schockiert, wie wenig man heutzutage noch leisten muss, um aufs Gymnasium zu kommen und dort auch zu bleiben.
Aber mir geht es jetzt nicht darum, auf die Dummheit und die inzwischen wirklich niedrigen Anforderungen an Schulen hinzuweisen, das wurde schon oft genug getan, auch wenn es nichts gebracht und man im Gegenteil das System immer weiter aufweicht. (Aktuellen Vorschlägen zufolge soll in den ersten zwei Grundschuljahren nicht einmal mehr Lesen und Schreiben im klassischen Sinne unterrichtet werden, die Kinder sollen schreiben, wie „sie das Wort hören“. Erst in der 3. Klasse soll dann die korrekte Rechtschreibung vermittelt werden. Ich freue mich auf eine ganze Generation, die wirklich nur noch „Mudda“ schreiben wird.)

Mich regen viel mehr die Schüler selbst auf. Ich selbst wurde noch so erzogen, wie der Junge auf dem Bild 1961. Wenn ich mit schlechten Noten heimkam, musste ich mir Fragen anhören, ob ich genug gelernt hätte, wie ich wieder besser werden wolle, ob ich meine Fehler korrigieren würde usw. Das hat mir keinen Spaß gemacht und macht es auch heute nicht, aber es hat mich etwas gelehrt: Verantwortung für die eigenen Taten zu übernehmen.
Ich habe noch nie meine Eltern zu einem Lehrer geschickt, um mich wegen einer Note zu beschweren und nur wenn ich das Gefühl hatte, in großem Maße benachteiligt worden zu sein, bin ich selbst zum Lehrer, um mich zu beschweren. (In jetzt dann 13 Jahren kann ich diese Anlässe immer noch an einer Hand abzählen.)
Ich habe mich stets selbst dafür verantwortlich gefühlt, was ich in der Schule getan habe. Klar, auch ich habe mich geärgert, dass ein Lehrer in der Klausur Dinge abgefragt hat, die, meiner Meinung nach, ungerecht waren, aber ich habe das immer als Teil des „Spiels“ betrachtet. Der Lehrer gibt dir die Aufgaben und die Regeln vor, du spielst danach, so ist das Leben. Deal with it!
Dieses Bewusstsein für die eigene Verantwortung habe ich immer versucht nicht nur auf die Schule, sondern auf alle Lebensbereiche anzuwenden und auch wenn ich nicht perfekt bin, so würde ich doch behaupten, dass ich eine gewisse „Ehre“ habe, die mir befiehlt, für meine Fehler gerade zu stehen. Ich will nicht, dass sie UNBEDINGT ans Licht kommen und schrecke daher auch nicht vor einer kleineren Lüge zurück, doch ist die Situation ernst oder eine Lüge moralisch nicht vertretbar (innerhalb einer Freundschaft wäre für mich so ein Fall), dann stehe ich zu dem, was ich getan habe.

Auf der anderen Seite (in Bild 2011 gewissermaßen) haben wir eine Gruppe (und fast schon eine ganze Generation), die Eigenverantwortung völlig ablehnt. In der Schule überschätzen sie ihre eigenen Fähigkeiten, sehen den Lehrer als jemanden, der ihnen grundsätzlich nur Böses will und rennen bei der erstbesten Gelegenheit zum Schuldirektor oder den Eltern, um sich zu beschweren. Das Prinzip „Eigenverantwortung“ lehnen sie komplett ab, sich Fehler einzugestehen und dafür gerade zu stehen, ist ihnen völlig fremd. Ich weiß von den Kindern reicher Eltern, denen eine Lese/Rechtschreib-Schwäche attestiert wurde und sie damit um schlechte Noten aufgrund ihrer Krankheit herum kamen. Der Witz an der Geschichte: Die Ärzte, die diese Diagnosen stellten, waren Freunde der Familie. Wie soll jemand, der vorgelebt bekommt, dass man sich schon irgendwie um alles herum mogeln kann, später selbst Verantwortung übernehmen können?
Und es endet ja leider nicht in der Schule. Ich will jetzt keine antikapitalistische Hetze betreiben, aber das Verhalten vieler Finanzjongleure basiert auf dem selben Prinzip: etwas machen, sich überschätzen und am Ende, wenn es dann mal schief gegangen ist, die Fehler entweder bei anderen suchen oder sich von anderswo Hilfe holen.

Auch die viel zitierten U-Bahn-Schläger zeigen nach ihren Taten selten Reue. Warum auch? Man kann ja immer den gewalttätigen Vater, die drogensüchtige Mutter oder das furchtbare Kinderheim für alles verantwortlich machen. Auch hier will ich nicht behaupten, dass eine schlimme Kindheit einen Menschen prägen und ihn schädigen kann, aber es geht mir um die Tatsache, dass Verantwortung in unserer Gesellschaft einen immer geringeren Stellenwert bekommt.
(Ich werde an dieser Stelle nicht auf Wulff eingehen, das ist meiner Meinung nach sowieso nur eine Lappalie, im Vergleich zu den massiven Bestechungen anderswo.)

Aber warum versuche ich überhaupt, meine Position klar zu stellen und Missverständnisse zu vermeiden? Ich bin schließlich sehr müde, darauf kann ich eventuelle Fehler ja abwälzen.