Ein schlechter Text über die Liebe zu guten Texten

9. Februar 2013

Ich sollte mehr schreiben. Ich habe dieses Semester kein Seminar und komme daher vom Studium her kaum zum Schreiben und wenn, dann sind es nur Exzerpte, Stichworte, Auflistungen.
Das Schreiben wird mechanisch, es ist nur noch Mittel zum Zweck und nicht mehr Zweck an sich.

Ganz zu schweigen von der technischen Seite, die einem schrittweise verloren geht. Man verliert das Gefühl für den Text, wie die Sätze zusammenpassen, wie die Worte ein stimmiges Gesamtbild geben.
(Innerhalb kürzester Zeit zweimal „verlieren“ verwendet. Kein sonderlich guter Stil.)

Wenn ich mir ältere Texte durchlese, muss ich immer den Kopf schütteln, weil ich sehe, wie ich es damals nicht geschafft habe, meine Gedanken in Worte zu fassen. Mir fehlte der Stil, der Ausdruck und schlicht Verständnis, wie man Texte aufbauen muss.  Es wäre vermessen, zu behaupten, dass ich das heute wirklich gut könnte, aber ich bin besser geworden.

Ich habe in der Oberstufe meine Liebe zur Literatur entdeckt bzw. zu ihrer Dekonstruktion. Vorher hatte ich es gehasst, einen Text analysieren zu müssen. Es erschien mir unnötig, langweilig, sinnlos. Es zerstörte die Geschichte. Aber irgendwann legte es einen Schalter in meinem Kopf um. Es war Dürrenmatts „Der Besuch der alten Dame“, das mir zum ersten Mal zeigte, wie viel mehr in einer Aneinanderreihung von Worten stecken kann, als die Geschichte, die man zuerst wahrnimmt.

Parallel dazu entdeckte ich meine Liebe zur Philosophie. Nicht nur die Ideen der Philosophen faszinierten mich, sondern ihre Fähigkeit komplexe Gedankenkonstrukte in Worte zu fassen (Zugeben, mal mehr mal weniger erfolgreich).

Darum finde ich es nun so schade, dass ich nicht mehr dazu komme, Texte wirklich zu analysieren. Es fehlt mir so sehr, dass ich einer Freundin, die noch zur Schule geht, einen Teil ihrer Hausaufgaben abnahm, um eine Analyse eines literarischen Textes schreiben zu können.

Ich sollte mehr schreiben. Aber was? Mein Studium bietet (im Moment) keinen Stoff für Analysen, in meinen Blogeinträgen verarbeite ich mein Leben und dafür muss etwas passieren, über das ich schreiben kann und will und Fiktion beherrsche ich nicht, da ich weder in der Lage bin Beschreibungen noch Dialoge zu verfassen.

Was bleibt also? Blogeinträge wie dieser. Ihr seht die Tragödie.

Das kleine Zentrum der Welt

23. Januar 2013

Beginnen wir mit einem völlig irrelevanten Intro:
Ich blogge kaum noch. Ich müsste meine Gedanken ordnen. Ich ordne im Studium schon genug.
Chaos soll meine Freizeit bestimmen. Natürlich auch völliger Schwachsinn. Ich will Kontrolle über die Situation. Selbst wenn ich mich Fallen-Lassen will, ist das geplant. Macht das Sinn? Nein. Vermutlich nicht. Aber das ist ja das Schöne. Das muss es nicht. Ich kann so ambivalent sein, wie ich will.

Was wollte ich eigentlich sagen? Ich weiß es nicht mehr. Ist auch nicht relevant.
Nichts ist relevant. Zumindest solange es nicht „Klausurrelevant“ ist. Alles dreht sich darum.
Man kriegt keinen Moment Ruhe vor all den Irren, die sich, dich und jeden anderen fragen, was denn klausurrelevant sei. Wie die Klausuren aussähen. Was sie wie lernen sollen.
Sie verwandeln die Uni in die Schule. Kleinigkeiten werden Ewigkeiten durchgekaut. Tutoren müssen wieder und wieder die gleichen Fragen beantworten. No fucking progress.
Es sind die Leute, die im Tutorium oder der Vorlesung unablässig rhetorische Fragen stellen, in denen sie exakt das wiedergeben, was Tutor oder Prof eben sagten, um ihnen zu zeigen, dass sie es verstanden haben. Wie in der Schule. Nur interessiert es hier keinen. Es gibt keine mündliche Note. Der Prof kennt nicht mal deinen Namen.
You are nothing but a fucking number!

Du warst vielleicht in eurer Klasse der Shit. Vielleicht warst du in deiner Schule Nr. 1. Vielleicht gehörst du innerhalb deiner Stadt oder deines Landkreises zur Spitze der Bildungspyramide.
NO ONE FUCKING CARES!
Du bist jetzt an der Uni. In einem Studiengang, in den nicht jeder rein kommt. Du sitzt zwischen Leuten, denen zumindest ihre Abschlussnote ebenfalls bescheinigt, dass sie ganz großartig sind.
You are not a beautiful and unique snowflake!

Ohja, wir sind alle Individuen und man selbst ist prinzipiell individueller als alle anderen. Schon klar. Ich weiß. Ich bin sowieso der Individuellste hier.
Ändert nichts daran, dass du im Endeffekt nur eine Nummer bist, die ein Blatt Papier ausfüllen wird, auf dem dann eine weitere Zahl stehen wird. Was interessiert sich das System für dich?
Komm damit klar, dass sich die Welt nicht mehr um dich dreht. Du bist nicht mehr der Liebling irgendeines Lehrers, du bist nur noch einer von vielen. Sieht vielleicht in ein paar Semestern anders aus, wenn du es zum Lieblings-Hiwi gebracht hast.
Bis dahin: Get your shit together and deal with the fucking situation!

Die Klausuren. Das kleine Zentrum der Welt, um das sich alles dreht.
Eure ewigen Fragen, wie viel denn diese und jene Klausur zählt.
Ob der Tutor einen Tipp hat.
Ob der Prof sagen kann, „was denn dran kommt“.
Ob man nur die Vorlesungsfolien auswendig lernen soll oder ob man die Literatur anschauen sollte.
Und die ewigen rhetorischen Fragen. (jaja, ich wiederhole mich.)

Was für konkrete Tipps erwartet ihr? Dass euch der Tutor sagen kann, dass diese und jene Fragestellung IMMER dran kommt? Auf welcher Basis soll er das sagen? Was denkt ihr, wie oft er die Vorlesung geschrieben hat? 10 Semester lang immer wieder? Und wenn es euch so interessiert, dann schaut euch die alten Klausuren an. Ist ja nicht so, als wären die nicht öffentlich zugänglich.
Glaubt ihr wirklich, ihr seid noch in der Schule, als ihr den Lehrer so lange bearbeiten konntet, bis er sagte, dass Seite 70-100 nicht in der Klausur abgefragt werden würden?
Revelation! You are not in school anymore! It’s still the same shit but procedures have changed!

Die Frage, wie viel die Klausur zählen würde, ist mein absoluter Favorit.
Was habt ihr davon, zu wissen, wie viel die Klausur zählt? Wollt ihr deutlich weniger tun, wenn ihr erfahrt, dass die Klausur nicht allzu wichtig für eure Endnote ist? Wollt ihr euch „so richtig reinhängen“, weil es mehr Einfluss auf den Abschluss hat?
Wo ist die Relevanz dieser Frage?
Ich mache meinen Lernaufwand nicht von der Bedeutung der Prüfung abhängig. Ich mache es davon abhängig, was ich erreichen will und dann versuche ich, mein Bestes zu geben.
Bin ich mit dieser Einstellung wirklich allein?

Es ist die Uni! Es ist ein von euch selbst gewähltes Studium! Es liegt an euch! Ihr könnt euch exmatrikulieren. Ihr könnt wechseln. Ihr könnt euch anstrengen. Ihr könnt nichts tun.
Aber ihr könnt nicht erwarten, dass man euch alles säuberlich vorsortiert und dann auf einem Silbertablett serviert.

Step up or step the fuck off!

And did those feet in ancient time…

21. November 2012

 

 

And did those feet in ancient time
Walk upon England’s mountains green?
.
.
.
In England’s green and pleasant land.
(aus „Did those feet in ancient time“ von William Blake)

 

 

 

2 Uhr nachts. Mal wieder eine hervorragende Zeit zum Bloggen. Vor allem da ich in weniger als 5h schon wieder aufstehen und zur Uni fahren muss. Ja, Timing hab ich wirklich drauf.

 

Es regnet nicht, leider. Es ist auch nicht neblig, ebenfalls leider. Es ist nur dunkel und kalt. Immerhin etwas. Die Nacht ist schön. Sie lässt einen zur Ruhe kommen. Sie lässt einem aber auch viel zu viel Zeit zum Nachdenken. Offensichtlich schlafe ich nicht, das hält mich allerdings nicht vom Träumen ab.

Schottland. Ich stehe auf einem grünen Hügel. Vor mir das Meer in der Bucht von Edinburgh. Es ist später Nachmittag und die letzten Sonnenstrahlen scheinen auf das Gras. In der Ferne sieht man, dass ein Gewitter über Edinburgh aufzieht. Es windet leicht, aber es stört nicht, denn man schmeckt das Meersalz förmlich. Außerdem ist die Luft frisch und obwohl ich nicht fernab der Zivilisation bin, fühle ich mich, als sei ich mitten in der Natur. Das Gras ist unbeschreiblich grün und erlaubt es einem nicht einmal, auf trübe Gedanken zu kommen, weil es selbst so lebendig und voller Kraft wirkt.
Ich bin hungrig, aber ich weiß, dass es bald hervorragendes Essen in einem gemütlichen Pub geben wird und dass auf der Heimfahrt einer wunderschöner Sonnenuntergang zu sehen sein wird und der Regen nachts beruhigend fallen wird.

Ich bin kein Schriftsteller (was die Frage aufwirft, warum ich einen Blog betreibe, aber das ist ein ganz anderes Thema), ich kann die Schönheit dieses Momentes nicht beschreiben. Mir fehlen dafür die Worte.
Ich habe diesen Moment so erlebt. Er ist nicht mal ein Traumgebilde. Vielleicht etwas verklärt und ausgeschmückt durch die Erinnerung, aber das ist ja das Schöne. Es gibt keine Fotos, die mir beweisen können, dass es NICHT so schön war, wie ich es in Erinnerung habe.

Schottland. Genau wie Irland bedeutet das für mich eine Zufriedenheit, wie ich sie kaum irgendwo sonst erlebt habe. Ich weiß nicht, ob es an den Büchern meiner Kindheit liegt, aber die Britischen Inseln sind seit Jahren mein liebster Ort. Ich freue mich jedes Mal, wenn ich hinfahre und versuche, die Freude, die mir die Länder bereiten, voll auszukosten.
Wenn ich zurückkomme, frage ich mich immer, ob ich es ausreichend ausgekostet habe oder ob mich triviale Dinge davon abgehalten haben, die ganze Schönheit dieses Flecken Erde zu genießen.

Aber spätestens in solchen Nächten wie heute sehne ich mich zurück auf die Britischen Inseln. Diesem Ort, den ich in meinen Erinnerungen überhöhe, in meinen Erwartungen überschätze und der mich dennoch immer und immer wieder aufs Neue begeistert.

 

(für den nötigen Pathos und weil es einfach wunderschön ist: Die vertonte Fassung des Gedichts )

Verwaltung Unser

9. November 2012

Verwaltung unser auf Erden
Definiert werde dein Name
Deine Organisation komme
Deine Struktur bestehe
Wie in der Gesellschaft, so im Unternehmen
Unsere tägliche Bürokratie gib uns heute
Und vergib uns unser Desinteresse
Wie auch wir dir vergeben deine Realitätsferne
Und führe niemanden in Versuchung
Sondern bleibe auf ewig unpolitisch
Denn dein ist die Organisation und die Struktur
Und die Trockenheit
In Ewigkeit
Amen

Ein kurzer Nachruf

10. Oktober 2012

Die Zukunft meines eigenen Blogs ist zur Zeit zwar ebenfalls nicht sicher, dennoch möchte ich kurz den Verlust von Gedankenfest(.worpress.com) betrauern.

Ich mochte diesen Blog sehr gerne. Ich kann nicht sagen, was es genau war, aber man bekam das Gefühl irgendwie am Leben eines anderen teilzuhaben. Das werde ich vermissen.
Ich hoffe, die Löschung erfolgte nicht gezwungenermaßen, sondern aus freien Stücken.

Falls du, Gedankenfest, wieder einen Blog eröffnen solltest, mach dich bitte irgendwie bemerkbar.

German Angst

18. September 2012

Halb 5 Uhr morgens. Ich kann mal wieder nicht schlafen.

Sobald ich den PC/das Smartphone/den Fernseher ausmache oder das Buch weglege, beginnt mein Kopf zu arbeiten.

Er macht einen ziemlich guten Job, sofern es sein Job ist, die Leere, die die Medien hinterlassen haben, auszufüllen. Wirklich, er macht das so gut, dass ich dadurch wacher bin, als wenn ich aktiv etwas lese. Gut, es macht meine Nächte kürzer, aber das kann man ja in Kauf nehmen für einen offensichtlich voll funktionsfähigen Verstand.

Blöd ist nur, dass meine Gedanken fast alle von Angst und Unsicherheit bestimmt werden.
Wer es selbst erlebt hat (und ich gehe einfach mal davon aus, dass das bei jedem schon mindestens einmal der Fall war), weiß, dass es kaum Schlimmeres gibt, als angstbestimmte Spekulationen über die Zukunft.

In meinem konkreten Fall ist das die Uni.

Ich freue mich wirklich sehr auf das Studium. Wie im letzten Blogeintrag beschrieben bin ich in meiner Heimatstadt unzufrieden und will neue Leute kennen lernen, mich neuen Herausforderungen stellen, einen geregelten Alltag haben, ein konkretes Ziel haben, auf das ich hinarbeiten kann. Eigentlich.

 

So wie ich das formuliert habe, könnte man es vermutlich auch in einem Werbefilm verwenden, aber wir alle wissen, dass das Leben nicht so aussieht wie in der Werbung.

Ich hatte früher viele Probleme mit anderen Menschen. Ich wurde vom Kindergarten bis in die Mittelstufe gemobbt oder bestenfalls ignoriert. In der Oberstufe habe ich Anschluss gefunden, ich war zum ersten Mal wirklich mit Gleichaltrigen auf einer Wellenlänge. Ob ich jetzt zu Ihnen oder sie zu mir aufgeschlossen haben, ist dabei unerheblich. Wichtig ist nur, dass ich jetzt ein gesichertes Umfeld habe. Ich habe Freunde, ich habe Bekannte, ich weiß, wen ich nicht mag, wer mich nicht mag, ich kenne die Stadt, ich kannte die Schule, ich kannte „meinen Platz“.

Und nun Tabula Rasa. Nahezu alles auf Anfang.

Wird das mit meinem Umzug alles klappen? Wie werden die Mitbewohner sein? Wie komme ich vom Bahnhof zu meiner Wohnung,  ich werde schließlich an einem Sonntag ankommen? Wie wird das Studium selbst sein?
Und am allerwichtigsten: Werde ich Anschluss finden?

Den habe ich in meinem bisherigen Leben nämlich nie auf Anhieb gefunden. Egal ob im Kindergarten, in der Grundschule, am Gymnasium, im Sportverein, beim Auslandsaustausch.

Werde ich Leute finden, die mit meinem Charakter klar kommen und wenn ja, wie lange wird es dauern? Muss ich mich wieder als Einzelgänger durchschlagen, weil ich es, wie schon so oft, zu Beginn verpasst habe, mich mit Menschen anzufreunden?

Und das schlimmste an der Sache ist: Ich kann jetzt nichts tun. Ich kann nichts tun, außer abzuwarten und das Beste aus der Situation zu machen, die auf mich zukommen wird, denn verstellen will und werde ich mich nicht.

Aber bis dahin werde ich wohl nachts immer wieder wachliegen und 1000 verschiedene Szenarien im Kopf durchspielen, wie die Zukunft möglicherweise aussehen könnte.

 
Vielleicht sollte man sich an Brandt halten, der sagte, dass der beste Weg die Zukunft vorauszusagen, darin bestehe, sie selbst zu gestalten.

Unzufriedenheit

2. September 2012

Ich bin unzufrieden. Gut, das sind wir alle hin und wieder, aber ich bin es schon sehr lange. Ohne ersichtlichen Grund. Ich bin ständig unzufrieden. Ich weiß nicht einmal, was mich nicht unzufrieden zurücklässt. Alles, was ich tue, dient nur dazu, dieses Gefühl entweder abzutöten oder für kurze Zeit vergessen zu machen.

Man könnte sagen, ich sollte mir ein Hobby suchen, aber das Problem ist, dass meine Hobbies mich auch nicht mehr erfüllen. Bücher, Filme, Videospiele, Basketball, ja sogar Essen. Nichts davon erfüllt mich längerfristig. Meistens hilft es mir nicht einmal mehr kurzfristig. Es ist ein wenig, als sei ich meiner alten Hobbies überdrüssig geworden, doch Interesse an neuen Dingen will sich auch nicht einstellen.

Vielleicht würde mich Arbeit erfüllen, das Erarbeiten von Vorträgen hat mir immer viel Spaß gemacht, vielleicht ist es also genau das Richtige, dass die Uni bald beginnt und

  1. Ich mit 1000 neuen Eindrücken und Menschen konfrontiert werde
  2. Ich wieder eine klar definierte Aufgabe habe

 

Die Ferienarbeit hat mich nämlich in keinster Weise erfüllt. Kein Wunder, es war ein dröger Fließbandjob, aber ich habe bemerkt, wie ich während dieser Zeit weniger vom Leben erwartet habe.

Mein Hauptproblem ist, dass ich immer das Gefühl habe, etwas zu verpassen. Etwas Besseres als das, was ich gerade habe. Das Gefühl lässt sich eigentlich nur unterdrücken, wenn ich mit Freunden weg bin, doch spätestens nach dem Heimkommen beginne ich zu überlegen, ob man den Abend nicht irgendwie besser, schöner, erfüllender hätte nutzen können und obwohl ich nie weiß, WIE genau man das hätte machen sollen, bin ich tief drinnen davon überzeugt, DASS es möglich gewesen wäre.

Auch Dinge, die einem nun vielleicht einfallen, wie Sex, Zweisamkeit oder Musik verdrängen dieses Gefühl nicht. Es erfüllt mich nicht. Bei Musik geht das so weit, dass ich ein Lied anhöre, nur um nach 30s zum nächsten zu springen, weil ich ja Lebenszeit auf ein Lied verschwenden könnte, dass im Moment nicht so perfekt passt wie irgendein anderes.

Allein der Gedanke Lebenszeit zu verschwenden ist absurd und trotzdem immer da. Vielleicht war das das Beste am Fließbandjob. Ich habe nichts mehr von den Tagen erwartet, wenn ich von der Schicht kam. Ich hatte mich damit abgefunden, einen klar geregelten Alltag zu haben, der einem keinen großen Freiraum für Besonderheiten lies. Ich hatte dadurch seltener das Gefühl etwas zu verpassen. Ich hatte ja keine Zeit. Was hätte ich in „keiner Zeit“  denn verpassen sollen?

 

Was für ein unbefriedigender Gedanke

Konstanz

15. Juli 2012

[hier eine Floskel einfügen, die ausdrückt, wie viel sich doch in kurzer Zeit verändern kann]

In meinem Fall wäre das nämlich die Zukunftsplanung der nächsten 3 Jahre.

Der Plan, in die Niederlande zu gehen und in Twente zu studieren, wurde nämlich jäh umgestoßen, als ich noch am selben Tag meiner Bewerbung in Konstanz eine verbindliche Zusage vom Dekan erhielt.
Konstanz hat im Bereich Politik- und Verwaltungswissenschaften einen exzellenten Ruf und es wäre fast schon fahrlässig, das Angebot auszuschlagen.
Ich hatte nie erwartet, in Konstanz angenommen zu werden, auch weil ich nie mit einem derartig guten Abiturzeugnis gerechnet hatte.
Als ich mir vor nun bald zwei Jahren klar machte, was ich studieren wollte, ging ich davon aus, am Ende meiner Schullaufbahn vielleicht einen 2,0 Schnitt zu haben. Konstanz erschien mir da nie in wirklich greifbarer Nähe. Selbst als sich abzeichnete, dass es wohl ein 1,X Schnitt werden würde, war Konstanz nie ein ernsthafter Gedanke.
Ich hatte bereits diesen Winter angefangen, die Vorbereitungen für Twente zu treffen (man muss sich unter anderem bei einem zentralen Melderegister anmelden und bereits vorab einige Unterlagen einschicken), für mich war klar, dass ich Twente sicher habe und selbst wenn ich von Konstanz Mitte August eine Zusage bekommen würde, wäre es egal, da ich zu diesem Zeitpunkt schon in den Niederlanden wäre.
Aber wie im letzten Blogeintrag beschrieben gestaltete sich das alles nicht so einfach, wie ich mir das vorgestellt hatte, dennoch war ich immer noch gewillt, diesen Weg zu gehen.
Die Bewerbung für Konstanz war mehr eine Pflichtübung. Quasi ein Plan B.

Hätte ich vorher gewusst, dass ich noch am selben Tag eine verbindliche Zusage vom Dekan erhalten würde, hätte ich mir den ganzen Ärger wegen einer Ummeldung in Köln und ein gutes Dutzend Telefonate wegen einer Wohnung in Twente sparen können.
Denn so früh direkt vor die Wahl gestellt, entschied ich mich sofort für Konstanz.
Es ist näher, ich muss keine Studiengebühren zahlen, ich muss mich nicht vorrübergehend in Köln anmelden, ich habe schnell eine Wohnung gefunden (was sich in den NL bis dato als schwierig heraus gestellt hatte), Konstanz hat den besseren Ruf (deutsche Exzellenz-Uni) und, so dumm es auch klingt, durch die Mittelung des Dekan fühle ich mich als Student gewollt.

 

Ich habe mich umgehend beim Studentenwerk angemeldet, das die Wohnungen vergibt und habe nun bereits eine, die ich ab Anfang August nutzen kann.

So wie es aussieht, bin ich die nächsten Jahre also doch weiterhin in Deutschland.

Ich hatte mir das entspannter vorgestellt

24. Juni 2012

Morgen steht das letzte Schulereignis meines Lebens an: Abi-Präsentationsprüfung
Ich hatte sogar das „Glück“, dass das Thema, das ich am liebsten machen wollte, vom Prüfer ausgewählt wurde. Blöderweise habe ich die Angewohnheit auch immer das Schwierigste am besten zu finden.

Deshalb habe in inzwischen mehr Zeit in die Vorbereitung für die Präsentationsprüfung gesteckt, als in die Vorbereitung für die schriftlichen Prüfungen in Deutsch, Englisch und Geschichte (Mathe bleibt bewusst außen vor).

Aber was hatte ich auch erwartet? Ich wusste ja von Anfang an, dass „Das Glück der Sterblichen – Die Eudaimonia nach Aristoteles und Platon“ keine Sache sein würde, die ich an einem Nachmittag vorbereiten würde (was bei meinen Vorträgen sowieso nie der Fall ist).

 

Schön wäre allerdings gewesen, wenn zusätzlich nicht noch so viele Termine angestanden hätten in den letzten zwei Wochen.
Auch die Sache mit dem Studieren in Twente könnte entspannter sein.
Um mich quasi final zu bewerben, muss ich nämlich mein Abschlusszeugnis, das ich noch nicht habe, eine Einwohnermeldebescheinigung und die Unterlagen zur Überweisung der Studiengebühren einschicken.
Das Dumme daran: Wenn die Einwohnermeldebescheinigung nicht für NRW, Bremen, Hamburg, Belgien oder den Niederlanden gilt, muss ich die vollen Studiengebühren von knapp 8000€ zahlen (sonst nur 1700). Eher ungünstig.

 
Also muss ich mir jetzt über alte Bekannte aus Köln eine Einwohnermeldebescheinigung besorgen, um mich nicht dumm und dämlich zu zahlen.
Gleichzeitig brauche ich noch eine Einwohnermeldebescheinigung in BaWü für meine Bewerbung in Konstanz.
Ergo: Bescheinigung auf dem lokalen Amt für BaWü holen, nach Köln fahren, Bescheinigung für NRW besorgen und dann weiter nach Twente, um den ganzen Mist abzugeben und mir das Gelände einmal anzuschauen.

 

Und Abisturm/streich/wie-auch-immer-das-genannt-wird, Abiball und eine einwöchige Romreise, die schon lange steht, wollen absolviert werden.

 

Wunderbar entspannend, diese first-world-problems.

Die Boston Celtics und der Junge – 5 Jahre Leben

10. Juni 2012

Nein, es geht hier nicht nur um Basketball, auch wenn es den Anschein hat und ja, ich weiß, wie daneben es eigentlich ist, von sich in der 3. Person zu schreiben, aber es erschien mir in diesem Fall irgendwie passend.

Sommer 2007. Boston. Die Boston Celtics geben bekannt, dass sie Kevin Garnett und Ray Allen ertradet haben. Die beiden sollen mit dem ewigen Celtic Paul Pierce eine neue „Big Three“ bilden und im Idealfall den NBA Titel holen. Die Presse ist beeindruckt, aber man fragt sich bereits, wie gut das Team sein kann, wo seine drei besten Spieler doch schon jenseits der 30 sind.

Währenddessen ist ein 13jähriger Junge in Süddeutschland hellauf begeistert. Die NBA hat er bisher nur sporadisch verfolgt. Er spielt selber Basketball seit der 3. Klasse, aber er ist nicht sonderlich gut und im fehlt inzwischen auch die Begeisterung für das eigene Spiel. Im Verein kommt er nicht weiter. Trainieren will er nicht. Die Auswärtsspiele an Samstagen empfindet er als Belastung. Er kommt mit den anderen Teammitgliedern nicht klar. Weil der Verein so wenige Mitglieder in seiner Altersstufe hat, sind U14 und U16 zusammengelegt worden. Sein aktueller Trainer ist der Sohn seines alten Trainers und er ist hart und fordernd. Er beschließt, mit dem Basketball im Verein aufzuhören.
Doch er liebt den Sport immer noch. Selbst spielt er nur noch selten, aber „sein“ Team, die Boston Celtics, sind wieder ein ernstzunehmendes Basketballteam.

 
Sommer 2008. Boston holt den NBA Titel. Nach 22 Jahren wieder. Der Junge nagelt sich sein Paul Pierce Jersey an die Wand.

 

Frühsommer 2009. Boston ist in den Playoffs ausgeschieden. Garnett, inzwischen seit 13 Jahren in der NBA, hatte sich am Knie verletzt. Ohne ihn fehlte ein wichtiger Bestandteil des Teams. Der Junge verliert wieder das Interesse am Sport.

 

Sommer 2010. Boston schafft es in die Finals und unterliegt dort in Spiel 7 gegen die Erzrivalen aus L.A. Der Junge ist inzwischen 16 und er entdeckt sein Feuer für den Sport wieder. Er beginnt öfter auf dem Freiplatz vor seiner alten Grundschule zu spielen und sich mit der Geschichte des Sportes selber zu beschäftigen. Er hat ein gutes Schuljahr hinter sich. Er ist selbstbewusster als früher. Er hat es endlich aus der Außenseiterrolle heraus geschafft und eine Gruppe guter Freunde um sich. Bei der Wahl seiner Kurse für die Oberstufe hat er sich den Sportkurs heraus gesucht, von dem er weiß, dass in ihm Basketball gespielt wird. Er freut sich auf das neue Schuljahr und die neue Saison.

Im selben Sommer geht er zwei Wochen nach England. Sprachschule. Er braucht es nicht, das wissen seine Eltern und er genau, aber sie wollen ihn ermöglichen, neue Menschen in einer neuen Umgebung kennen zu lernen, etwas Neues zu erleben. Auf dem Campus des englischen Colleges ist ein Basketball Court. Er verbringt große Teile seiner Freizeit dort. Er erkennt, dass er enorme Schwäche hat, aber das Spiel selbst macht ihm wieder Spaß. Er spielt gegen Franzosen, Japaner und Street-Baller aus New York. Er erfährt ehrliche Anerkennung für seinen Enthusiasmus und seine Leistungen. Sein letzter Moment auf dem Feld am letzten Abend seines Aufenthalts ist ein Game-Winning-Shot von ihm für sein Team.

In der NBA tut sich derweil einiges. Die Miami Heat haben es geschafft, drei All-Stars, darunter den wohl aktuell besten Spieler der Welt, LeBron James, in einem Team zu versammeln. Die „neue Big Three“ kündigt große Siege und viele Titel an. Der Saison-Opener gegen Boston geht allerdings klar verloren.

 

Sommer 2011. Boston hat in den Playoffs gegen Miami in der zweiten Runde verloren. Wieder hatte sich Garnett verletzt. Garnett, Pierce und Allen sind nun um die 35. Das Team wird als zu alt abgestempelt.

Für den Jungen hat sich das Jahr deutlich besser entwickelt. Er steht gut da in der Schule und hat in Sport 15 Punkte. Vor diesem Jahr stand er auf einer 3. Er spielt wieder viel selbst. Nicht im Verein, doch man findet ihn inzwischen häufig auf dem Freiplatz der Grundschule. Er arbeitet an sich und seinem Spiel. Er hat wieder echten Spaß am Spiel.

 

Sommer 2012. Boston spielt eine schlechte erste Saisonhälfte, doch das Team reißt sich zusammen und übertrifft in den Playoffs alle Erwartungen. Das Team, das viele bereits ein Jahr zuvor „zu alt“ nannten, steht in den Conference Finals, wo es den Miami Heat 7 Spiele abnötigt. Es ist ein würdiger Abschluss. Das Team wird es nächstes Jahr so nicht mehr geben. Die Ära der „Big Three“ endet 2012, aber sie endet in Würde. Was als 3-Jahres-Plan gedacht war, verabschiedet sich in Jahr 5 mit einer starken Leistung. Die Big Three sind im biblischen Basketballer-Alter von 36.

Der Junge ist begeistert. Das Team, an dem sein Herz so hängt, hat sich würdevoll verabschiedet. Sein Leben hat sich, grob gesagt, seit dem Zusammenkommen der Big Three verändert und vor allem verbessert. Die Frustration und die unangenehmen Jahre der Mittelstufe liegen hinter him. Die Abiturergebnisse stehen zwar noch aus, aber anhand der Leistungen in der Oberstufe kann man sagen, dass er sich ebenfalls anständig verabschiedet hat. Und so wie die Ära des Boston Celtics Teams zu Ende geht, geht seine Schulzeit zu Ende und ohne es genau beschreiben zu können, fühlt es sich für den Jungen dennoch so an, als würde eine gemeinsame Reise ihrem Ende entgegen gehen.