Archive for the ‘Literatur’ Category

Ein Gedicht

11. Februar 2013

Ich wurde gebeten, ein Gedicht zu schreiben. Ich habe vorher noch nie Gedichte geschrieben.  (Die lächerlichen Sachen, die man in der Schule schreiben musste, zählen nicht. Die Haikus, die ich gelegentlich schreibe, auch nicht.)
Ich hatte keine thematische Vorgabe, nur eben die Bitte ein Gedicht zu schreiben. Mich reizte die Herausforderung, also versuchte ich es. Was dabei heraus kam, ist nun ein paar Tage alt und obwohl ich es immer wieder gelesen habe, finde ich es nicht zum kotzen. Ich werte das mal als gutes Zeichen und entscheide mich hiermit dafür, es in meinen Blog zu packen.

 

Sinnentleertes Leben, ödes Land
Kein Trost findet sich am Wegesrand
Nur der Tod als ständiger Begleiter
Treibt einen an: weiter, weiter!

Wärme, Nähe, Menschlichkeit
Relikte der Vergangenheit
All die Tugenden vergessen
Vor der Moral kommt das Fressen

Wie auch sonst sollte es sein
In dieser kalten Welt allein
In der der Mensch mehr vegetiert als lebt
und sich niemals Hoffnung regt

Ängste, Sorgen, Nöte
Und die Stimme im Kopf ruft: Töte
Dich! Um endlich einmal frei zu sein
Von Tragik, Leid und Quälereien

Und so verstreichen Tag um Tag
So viel der Mensch ertragen mag
Sein Los, das kennt er ganz genau
Der Tod, Ewigkeit in schwarz und grau

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Ein schlechter Text über die Liebe zu guten Texten

9. Februar 2013

Ich sollte mehr schreiben. Ich habe dieses Semester kein Seminar und komme daher vom Studium her kaum zum Schreiben und wenn, dann sind es nur Exzerpte, Stichworte, Auflistungen.
Das Schreiben wird mechanisch, es ist nur noch Mittel zum Zweck und nicht mehr Zweck an sich.

Ganz zu schweigen von der technischen Seite, die einem schrittweise verloren geht. Man verliert das Gefühl für den Text, wie die Sätze zusammenpassen, wie die Worte ein stimmiges Gesamtbild geben.
(Innerhalb kürzester Zeit zweimal „verlieren“ verwendet. Kein sonderlich guter Stil.)

Wenn ich mir ältere Texte durchlese, muss ich immer den Kopf schütteln, weil ich sehe, wie ich es damals nicht geschafft habe, meine Gedanken in Worte zu fassen. Mir fehlte der Stil, der Ausdruck und schlicht Verständnis, wie man Texte aufbauen muss.  Es wäre vermessen, zu behaupten, dass ich das heute wirklich gut könnte, aber ich bin besser geworden.

Ich habe in der Oberstufe meine Liebe zur Literatur entdeckt bzw. zu ihrer Dekonstruktion. Vorher hatte ich es gehasst, einen Text analysieren zu müssen. Es erschien mir unnötig, langweilig, sinnlos. Es zerstörte die Geschichte. Aber irgendwann legte es einen Schalter in meinem Kopf um. Es war Dürrenmatts „Der Besuch der alten Dame“, das mir zum ersten Mal zeigte, wie viel mehr in einer Aneinanderreihung von Worten stecken kann, als die Geschichte, die man zuerst wahrnimmt.

Parallel dazu entdeckte ich meine Liebe zur Philosophie. Nicht nur die Ideen der Philosophen faszinierten mich, sondern ihre Fähigkeit komplexe Gedankenkonstrukte in Worte zu fassen (Zugeben, mal mehr mal weniger erfolgreich).

Darum finde ich es nun so schade, dass ich nicht mehr dazu komme, Texte wirklich zu analysieren. Es fehlt mir so sehr, dass ich einer Freundin, die noch zur Schule geht, einen Teil ihrer Hausaufgaben abnahm, um eine Analyse eines literarischen Textes schreiben zu können.

Ich sollte mehr schreiben. Aber was? Mein Studium bietet (im Moment) keinen Stoff für Analysen, in meinen Blogeinträgen verarbeite ich mein Leben und dafür muss etwas passieren, über das ich schreiben kann und will und Fiktion beherrsche ich nicht, da ich weder in der Lage bin Beschreibungen noch Dialoge zu verfassen.

Was bleibt also? Blogeinträge wie dieser. Ihr seht die Tragödie.

Verwaltung Unser

9. November 2012

Verwaltung unser auf Erden
Definiert werde dein Name
Deine Organisation komme
Deine Struktur bestehe
Wie in der Gesellschaft, so im Unternehmen
Unsere tägliche Bürokratie gib uns heute
Und vergib uns unser Desinteresse
Wie auch wir dir vergeben deine Realitätsferne
Und führe niemanden in Versuchung
Sondern bleibe auf ewig unpolitisch
Denn dein ist die Organisation und die Struktur
Und die Trockenheit
In Ewigkeit
Amen

Haiku II

22. Januar 2012

Flowers bloom and die
Wind brings butterflies or snow
A stone won’t notice

Haiku

20. Januar 2012

Worker bees can leave
Even drones can fly away
The queen is their slave

Frau Scheinheilig

20. Januar 2012

Ich kann nicht genau sagen, was es ist, aber ich liebe den Blog von Schein_Heilige. Wahrscheinlich wegen genau solcher Einträge wie diesem hier vom glück der menschheit, nicht glücklich sein zu können..

Ich bewerbe den Blog deshalb, weil ich von ihrer Art zu schreiben fasziniert bin und ich weiß, dass ihr neuer Blog noch nicht allzu viele Aufrufe generiert. Und was nützen die schönsten, ergreifendsten, ehrlichsten Worte, wenn sie nicht gelesen werden?

Roundup

17. Januar 2012

Eine kurze Übersicht über zwei von mir im Blog angesprochene Probleme, die einzeln keinen ganzen Blogeintrag wert sind.

1. Der Abschluss von Das Letzte Mal

Die Liebeslyrik-Klausur liegt hinter mir und die Note kenne ich auch: 14 Notenpunkte. Ziemlich beachtlich, wenn man bedenkt, dass meine letzte Liebeslyrik-Klausur eine 3- war,  aber offenbar habe ich dieses Mal mehr Verständnis für die beiden Gedichte aufbringen können. Vielleicht steckt ja doch noch ein Liebeslyriker in mir (wohl eher nicht), meine Mutter (Deutsch-Lehrerin der Oberstufe) meinte immerhin, dass sie mir auch 14NP gegeben hätte und fragte mich prompt, ob ich nicht doch Deutsch-Lehrer werden wolle. Meinen Vater interessierte hingegen viel mehr, warum ich, der ich doch so toll Gedichte analysieren kann, keine Freundin hat.

2. (Hoffentlich) Der Abschluss der Geschichte mit meiner Großmutter

Ich bekomme von ihr immer noch mails, in denen sie mich fragt, was denn zwischen mir und meinen Eltern vorgefallen sei, dass wir uns so hassen und nicht mehr mit einander reden würden. Ich habe das, wie bereits geschrieben, ignoriert. Es gab ein solches Ereignis nie, ich hasse meine Eltern nicht und geredet wird auch miteinander.
Ihre Paranoia geht nun so weit, dass sie meiner Mutter (also ihrer Tochter) während eines Telefonats, die selbe Frage stellte, weil sie glaubt, ich würde ihr etwas verheimlichen. Meine Mutter erwiderte wahrheitsgemäß, dass nichts derartiges vorgefallen sei und sie ein wenig übertriebene Vorstellungen von der familiären Situation bei uns hätte. Blöderweise glaubt sie ihrer eigenen Tochter auch nicht und ist nun davon überzeugt, dass die gesamte Familie sie anlügt und ihr ein großes Geheimnis verschweigt.

Achja, auf die Drogensucht kam sie, weil ich, als ich bei ihr war, bis um 03:00 Nachts wach war und wie wir alle wissen, kann man nur unter Drogeneinfluss derartig lange wach sein.

The Chaos

14. Januar 2012

Es heißt, ein Franzose hätte gesagt, dass er lieber 6 Monate harte Arbeit verrichten würde, als auch nur die Hälfte des Gedichtes laut vorzulesen.

The Chaos by G. Nolst Trenite also known as Charivarius (1870-1946)

Dearest creature in creation,
Study English pronunciation.
I will teach you in my verse
Sounds like corpse, corps, horse, and worse.
I will keep you, Suzy, busy,
Make your head with heat grow dizzy.
Tear in eye, your dress will tear.
So shall I! Oh hear my prayer.
Just compare heart, beard, and heard,
Dies and diet, lord and word,
Sword and sward, retain and Britain.
(Mind the latter, how it’s written.)
Now I surely will not plague you
With such words as plaque and ague.
But be careful how you speak:
Say break and steak, but bleak and streak;
Cloven, oven, how and low,
Script, receipt, show, poem, and toe.
Hear me say, devoid of trickery,
Daughter, laughter, and Terpsichore,
Typhoid, measles, topsails, aisles,
Exiles, similes, and reviles;
Scholar, vicar, and cigar,
Solar, mica, war and far;
One, anemone, Balmoral,
Kitchen, lichen, laundry, laurel;
Gertrude, German, wind and mind,
Scene, Melpomene, mankind.
Billet does not rhyme with ballet,
Bouquet, wallet, mallet, chalet.
Blood and flood are not like food,
Nor is mould like should and would.
Viscous, viscount, load and broad,
Toward, to forward, to reward.
And your pronunciation’s OK
When you correctly say croquet,
Rounded, wounded, grieve and sieve,
Friend and fiend, alive and live.
Ivy, privy, famous; clamour
And enamour rhyme with hammer.
River, rival, tomb, bomb, comb,
Doll and roll and some and home.
Stranger does not rhyme with anger,
Neither does devour with clangour.
Souls but foul, haunt but aunt,
Font, front, wont, want, grand, and grant,
Shoes, goes, does. Now first say finger,
And then singer, ginger, linger,
Real, zeal, mauve, gauze, gouge and gauge,
Marriage, foliage, mirage, and age.
Query does not rhyme with very,
Nor does fury sound like bury.
Dost, lost, post and doth, cloth, loth.
Job, nob, bosom, transom, oath.
Though the differences seem little,
We say actual but victual.
Refer does not rhyme with deafer.
Fe0ffer does, and zephyr, heifer.
Mint, pint, senate and sedate;
Dull, bull, and George ate late.
Scenic, Arabic, Pacific,
Science, conscience, scientific.
Liberty, library, heave and heaven,
Rachel, ache, moustache, eleven.
We say hallowed, but allowed,
People, leopard, towed, but vowed.
Mark the differences, moreover,
Between mover, cover, clover;
Leeches, breeches, wise, precise,
Chalice, but police and lice;
Camel, constable, unstable,
Principle, disciple, label.
Petal, panel, and canal,
Wait, surprise, plait, promise, pal.
Worm and storm, chaise, chaos, chair,
Senator, spectator, mayor.
Tour, but our and succour, four.
Gas, alas, and Arkansas.
Sea, idea, Korea, area,
Psalm, Maria, but malaria.
Youth, south, southern, cleanse and clean.
Doctrine, turpentine, marine.
Compare alien with Italian,
Dandelion and battalion.
Sally with ally, yea, ye,
Eye, I, ay, aye, whey, and key.
Say aver, but ever, fever,
Neither, leisure, skein, deceiver.
Heron, granary, canary.
Crevice and device and aerie.
Face, but preface, not efface.
Phlegm, phlegmatic, ass, glass, bass.
Large, but target, gin, give, verging,
Ought, out, joust and scour, scourging.
Ear, but earn and wear and tear
Do not rhyme with here but ere.
Seven is right, but so is even,
Hyphen, roughen, nephew Stephen,
Monkey, donkey, Turk and jerk,
Ask, grasp, wasp, and cork and work.
Pronunciation (think of Psyche!)
Is a paling stout and spikey?
Won’t it make you lose your wits,
Writing groats and saying grits?
It’s a dark abyss or tunnel:
Strewn with stones, stowed, solace, gunwale,
Islington and Isle of Wight,
Housewife, verdict and indict.
Finally, which rhymes with enough,
Though, through, plough, or dough, or cough?
Hiccough has the sound of cup.
My advice is to give up!!!

Augustus

1. Januar 2012

Aus dem Buch Die Geheimen Tagebücher Des Augustus:

Gedanken sind die Knospen, Taten die Früchte eines Baumes.

Aber so ist das Leben eines Mannes: Die eine Hälfte bist du streng bedacht, dass man dein wahres Alter erkenne, die andere wünschtest du, man möge dich ruhig etwas jünger schätzen. Dein wahres Alter lebst du nie.

Mit zunehmendem Alter schwinden zwar die Taten, die Gedanken aber wachsen.

Frauen und Wein haben vieles gemeinsam, jung und spritzig sind sie stets willkommen, ohne bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Beide bedürfen eines gewissen Alters, man spricht von Reife, um die höchste Erfüllung zu bieten. Doch Vorsicht! Wie der Wein ein Alter erreicht, das seinen Geschmack nicht mehr steigert, von dem an er im Gegenteil schlechter wird von Jahr zu Jahr, so überschreiten auch Frauen den Zenit sehr schnell.
Denke ich hierbei an meine zweite Frau, so geschah es dies von einem Tag auf den anderen seit dem Tag unserer Eheschließung. Die Ehe ist der Tod jeder Leidenschaft.

Es ist töricht, das längere Leben dem erfreulichen vorzuziehen!

Leben? Was ist das schon: Leben? Geboren werden aus der Mutter Schoß, gesäugt werden an ihren Brüsten, fortgestoßen in eine fremde Welt suchst du Halt an allem und jedem, Glück dir, wenn es gute Menschen sind, wegweisend für dein Werden!

Und es ist nicht der Hass, der die Menschen ins Verderben stürzt, sondern die Verachtung; denn Hass ist ein Gefühl – wenngleich in der verkehrten Richtung – Verachtung aber ist ein Zustand.

Verfolge ich in Gedanken Nutzen und Schaden meiner mahnenden Worte, so rate ich Vätern eher zur Toleranz bei Generationsproblemen.; denn herrschte zwischen mir und Julia zuallererst nur ein Sinnesunterschied, eine Andersartigkeit in der Auffassung von Sitte und Moral, so wandelte sich dise zu offener Feindschaft.

Die Jugend ernährt sich Träumen, das Alter von Erinnerungen, und das eine wie das andere scheint endlos. Die Zeit aber flieht in der Mitte des Lebens schneller als der Schwalbenwind im Frühling und nie gelingt es, einen Tag festzuhalten.

Wenn du als Göttlicher einen Fehler begehst, dann halten es die Massen plötzlich mit Plato, der predigte, Göttlichkeit seit nur dann zu erreichen, wenn sich die Seele von den Begierden des Körpers trenne und sich im Erkennen der Göttlichkeit versenke, während dieselben Massen sonst eher Anhänger des Kulturverächters Diogenes sind, der auf den Stufen der Akademie ungeniert sein Glied zur Schau stellte wie ein Deckhengst.

Die Liebe zum Vaterland treibt seit alters seltsame Blüten. Misstraut jenen, die diese Liebe predigen.

Die Kenntnis der Zukunft nützt keinem. Im Gegenteil, sie macht hoffnungslos, auswegslos, trostlos und gebrochen.

Der Lust nachzustreben, sagt er, bedeutet Verkennung des eigenen Wesens. Lust ist Leiden. Lust macht unfrei. Lust sucht immer neue Bedürfnisse. Lust ist Unvernunft. Ich hasse die Lust, wenngleich – oder weil – ich nicht frei von ihr bin. Eudaimonia, das Leben im Einklang mit sich selbst, blieb stets zu mein Ziel, doch am Ende muss ich gestehen, ich lief immer nur im Kreis.

Warum belehrt immer erst der Verlust der Dinge uns über ihren wahren Wert?

Als ob Bündnisse aus Feinden Freunde machten! Das Gegenteil ist richtig: Bündnisse werden zwischen Feinden geschlossen, Freunde brauchen keine Verträge.

Das Zeitalter, in dem die Menschen aus der Geschichte lernen, muss erst geboren werden.

Die Tugend der Bescheidenheit ist zur Maßlosigkeit verkommen.

Maßlosigkeit in der Macht aber bedeutet stets den Beginn eines Machtverfalls, denn die Ungleichheit (nichts anderes bedeutet Macht) immer deutlicher zutage tritt und weil dem gewöhnlichen Bürger die Identifizierung mit dem System (und das ist die Voraussetzung für Macht, sonst muss diese Macht als Diktatur bezeichnet werden) zunehmend erschwert wird.

Das Leben ist ein Stück. Die Zeit wird lehren, ob meines eine Tragödie oder Komödie war. Klatscht Beifall, wenn das Stück gut war.

Das letzte Mal

18. Dezember 2011

Morgen, Montag 17. Dezember, wird es soweit sein! Ich werde das allerletzte Mal eine Klausur über Liebeslyrik schreiben müssen.
Jahrelang hat man mir erzählt, ich solle mich ganz auf die Liebeslyrik konzentrieren, sie sei schließlich Abit-Thema und die Gedicht Analyse wäre ja immer gleich. Es wären quasi geschenkte Punkte. Eine sichere Bank. Ein garantiert gutes Deutsch-Abitur. Wer wäre schon so blöd, sich mit Kafka, Dürrenmatt oder Kleist auseinander zu setzen. Das sei doch unnötig schwer und kompliziert, es gebe keine allgemein gültige Formel für die Analyse solcher Texte.
Jahrelang hat man mir das erzählt und dabei stets ignoriert, dass ich in der Analyse von Gedichten schlichtweg furchtbar schlecht war. Da niemand erwartete, dass ich mit Kafka oder Dürrenmatt klarkommen würde, ging man so weit, mir zu erklären, dass meine Deutsch-Note durch das Abitur gefährdet sei. Und die Zweifler haben Recht! Meine letzte Gedichtinterpretation liegt jetzt 2 Jahre zurück. Damals in der 11. wurden gefühlt alle Nase lang Gedichte interpretiert. In der letzten Interpretation hatte ich eine 3- und damit meine schlechteste Deutsch-Note überhaupt. Der treffende Kommentar meiner Lehrerin: „Jan, es ist offensichtlich, dass du nicht mit Gedichten umgehen kannst.“

Doch da ich meine Stärke für Dramentexte entdeckt habe, blicke ich dem Abitur relativ gelassen entgegen, doch zuvor muss noch ein Zwischengegner bezwungen werden: Die Liebeslyrik. Ein letztes Mal.