Archive for September 2012

German Angst

18. September 2012

Halb 5 Uhr morgens. Ich kann mal wieder nicht schlafen.

Sobald ich den PC/das Smartphone/den Fernseher ausmache oder das Buch weglege, beginnt mein Kopf zu arbeiten.

Er macht einen ziemlich guten Job, sofern es sein Job ist, die Leere, die die Medien hinterlassen haben, auszufüllen. Wirklich, er macht das so gut, dass ich dadurch wacher bin, als wenn ich aktiv etwas lese. Gut, es macht meine Nächte kürzer, aber das kann man ja in Kauf nehmen für einen offensichtlich voll funktionsfähigen Verstand.

Blöd ist nur, dass meine Gedanken fast alle von Angst und Unsicherheit bestimmt werden.
Wer es selbst erlebt hat (und ich gehe einfach mal davon aus, dass das bei jedem schon mindestens einmal der Fall war), weiß, dass es kaum Schlimmeres gibt, als angstbestimmte Spekulationen über die Zukunft.

In meinem konkreten Fall ist das die Uni.

Ich freue mich wirklich sehr auf das Studium. Wie im letzten Blogeintrag beschrieben bin ich in meiner Heimatstadt unzufrieden und will neue Leute kennen lernen, mich neuen Herausforderungen stellen, einen geregelten Alltag haben, ein konkretes Ziel haben, auf das ich hinarbeiten kann. Eigentlich.

 

So wie ich das formuliert habe, könnte man es vermutlich auch in einem Werbefilm verwenden, aber wir alle wissen, dass das Leben nicht so aussieht wie in der Werbung.

Ich hatte früher viele Probleme mit anderen Menschen. Ich wurde vom Kindergarten bis in die Mittelstufe gemobbt oder bestenfalls ignoriert. In der Oberstufe habe ich Anschluss gefunden, ich war zum ersten Mal wirklich mit Gleichaltrigen auf einer Wellenlänge. Ob ich jetzt zu Ihnen oder sie zu mir aufgeschlossen haben, ist dabei unerheblich. Wichtig ist nur, dass ich jetzt ein gesichertes Umfeld habe. Ich habe Freunde, ich habe Bekannte, ich weiß, wen ich nicht mag, wer mich nicht mag, ich kenne die Stadt, ich kannte die Schule, ich kannte „meinen Platz“.

Und nun Tabula Rasa. Nahezu alles auf Anfang.

Wird das mit meinem Umzug alles klappen? Wie werden die Mitbewohner sein? Wie komme ich vom Bahnhof zu meiner Wohnung,  ich werde schließlich an einem Sonntag ankommen? Wie wird das Studium selbst sein?
Und am allerwichtigsten: Werde ich Anschluss finden?

Den habe ich in meinem bisherigen Leben nämlich nie auf Anhieb gefunden. Egal ob im Kindergarten, in der Grundschule, am Gymnasium, im Sportverein, beim Auslandsaustausch.

Werde ich Leute finden, die mit meinem Charakter klar kommen und wenn ja, wie lange wird es dauern? Muss ich mich wieder als Einzelgänger durchschlagen, weil ich es, wie schon so oft, zu Beginn verpasst habe, mich mit Menschen anzufreunden?

Und das schlimmste an der Sache ist: Ich kann jetzt nichts tun. Ich kann nichts tun, außer abzuwarten und das Beste aus der Situation zu machen, die auf mich zukommen wird, denn verstellen will und werde ich mich nicht.

Aber bis dahin werde ich wohl nachts immer wieder wachliegen und 1000 verschiedene Szenarien im Kopf durchspielen, wie die Zukunft möglicherweise aussehen könnte.

 
Vielleicht sollte man sich an Brandt halten, der sagte, dass der beste Weg die Zukunft vorauszusagen, darin bestehe, sie selbst zu gestalten.

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Unzufriedenheit

2. September 2012

Ich bin unzufrieden. Gut, das sind wir alle hin und wieder, aber ich bin es schon sehr lange. Ohne ersichtlichen Grund. Ich bin ständig unzufrieden. Ich weiß nicht einmal, was mich nicht unzufrieden zurücklässt. Alles, was ich tue, dient nur dazu, dieses Gefühl entweder abzutöten oder für kurze Zeit vergessen zu machen.

Man könnte sagen, ich sollte mir ein Hobby suchen, aber das Problem ist, dass meine Hobbies mich auch nicht mehr erfüllen. Bücher, Filme, Videospiele, Basketball, ja sogar Essen. Nichts davon erfüllt mich längerfristig. Meistens hilft es mir nicht einmal mehr kurzfristig. Es ist ein wenig, als sei ich meiner alten Hobbies überdrüssig geworden, doch Interesse an neuen Dingen will sich auch nicht einstellen.

Vielleicht würde mich Arbeit erfüllen, das Erarbeiten von Vorträgen hat mir immer viel Spaß gemacht, vielleicht ist es also genau das Richtige, dass die Uni bald beginnt und

  1. Ich mit 1000 neuen Eindrücken und Menschen konfrontiert werde
  2. Ich wieder eine klar definierte Aufgabe habe

 

Die Ferienarbeit hat mich nämlich in keinster Weise erfüllt. Kein Wunder, es war ein dröger Fließbandjob, aber ich habe bemerkt, wie ich während dieser Zeit weniger vom Leben erwartet habe.

Mein Hauptproblem ist, dass ich immer das Gefühl habe, etwas zu verpassen. Etwas Besseres als das, was ich gerade habe. Das Gefühl lässt sich eigentlich nur unterdrücken, wenn ich mit Freunden weg bin, doch spätestens nach dem Heimkommen beginne ich zu überlegen, ob man den Abend nicht irgendwie besser, schöner, erfüllender hätte nutzen können und obwohl ich nie weiß, WIE genau man das hätte machen sollen, bin ich tief drinnen davon überzeugt, DASS es möglich gewesen wäre.

Auch Dinge, die einem nun vielleicht einfallen, wie Sex, Zweisamkeit oder Musik verdrängen dieses Gefühl nicht. Es erfüllt mich nicht. Bei Musik geht das so weit, dass ich ein Lied anhöre, nur um nach 30s zum nächsten zu springen, weil ich ja Lebenszeit auf ein Lied verschwenden könnte, dass im Moment nicht so perfekt passt wie irgendein anderes.

Allein der Gedanke Lebenszeit zu verschwenden ist absurd und trotzdem immer da. Vielleicht war das das Beste am Fließbandjob. Ich habe nichts mehr von den Tagen erwartet, wenn ich von der Schicht kam. Ich hatte mich damit abgefunden, einen klar geregelten Alltag zu haben, der einem keinen großen Freiraum für Besonderheiten lies. Ich hatte dadurch seltener das Gefühl etwas zu verpassen. Ich hatte ja keine Zeit. Was hätte ich in „keiner Zeit“  denn verpassen sollen?

 

Was für ein unbefriedigender Gedanke