Archive for Juni 2012

Ich hatte mir das entspannter vorgestellt

24. Juni 2012

Morgen steht das letzte Schulereignis meines Lebens an: Abi-Präsentationsprüfung
Ich hatte sogar das „Glück“, dass das Thema, das ich am liebsten machen wollte, vom Prüfer ausgewählt wurde. Blöderweise habe ich die Angewohnheit auch immer das Schwierigste am besten zu finden.

Deshalb habe in inzwischen mehr Zeit in die Vorbereitung für die Präsentationsprüfung gesteckt, als in die Vorbereitung für die schriftlichen Prüfungen in Deutsch, Englisch und Geschichte (Mathe bleibt bewusst außen vor).

Aber was hatte ich auch erwartet? Ich wusste ja von Anfang an, dass „Das Glück der Sterblichen – Die Eudaimonia nach Aristoteles und Platon“ keine Sache sein würde, die ich an einem Nachmittag vorbereiten würde (was bei meinen Vorträgen sowieso nie der Fall ist).

 

Schön wäre allerdings gewesen, wenn zusätzlich nicht noch so viele Termine angestanden hätten in den letzten zwei Wochen.
Auch die Sache mit dem Studieren in Twente könnte entspannter sein.
Um mich quasi final zu bewerben, muss ich nämlich mein Abschlusszeugnis, das ich noch nicht habe, eine Einwohnermeldebescheinigung und die Unterlagen zur Überweisung der Studiengebühren einschicken.
Das Dumme daran: Wenn die Einwohnermeldebescheinigung nicht für NRW, Bremen, Hamburg, Belgien oder den Niederlanden gilt, muss ich die vollen Studiengebühren von knapp 8000€ zahlen (sonst nur 1700). Eher ungünstig.

 
Also muss ich mir jetzt über alte Bekannte aus Köln eine Einwohnermeldebescheinigung besorgen, um mich nicht dumm und dämlich zu zahlen.
Gleichzeitig brauche ich noch eine Einwohnermeldebescheinigung in BaWü für meine Bewerbung in Konstanz.
Ergo: Bescheinigung auf dem lokalen Amt für BaWü holen, nach Köln fahren, Bescheinigung für NRW besorgen und dann weiter nach Twente, um den ganzen Mist abzugeben und mir das Gelände einmal anzuschauen.

 

Und Abisturm/streich/wie-auch-immer-das-genannt-wird, Abiball und eine einwöchige Romreise, die schon lange steht, wollen absolviert werden.

 

Wunderbar entspannend, diese first-world-problems.

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Die Boston Celtics und der Junge – 5 Jahre Leben

10. Juni 2012

Nein, es geht hier nicht nur um Basketball, auch wenn es den Anschein hat und ja, ich weiß, wie daneben es eigentlich ist, von sich in der 3. Person zu schreiben, aber es erschien mir in diesem Fall irgendwie passend.

Sommer 2007. Boston. Die Boston Celtics geben bekannt, dass sie Kevin Garnett und Ray Allen ertradet haben. Die beiden sollen mit dem ewigen Celtic Paul Pierce eine neue „Big Three“ bilden und im Idealfall den NBA Titel holen. Die Presse ist beeindruckt, aber man fragt sich bereits, wie gut das Team sein kann, wo seine drei besten Spieler doch schon jenseits der 30 sind.

Währenddessen ist ein 13jähriger Junge in Süddeutschland hellauf begeistert. Die NBA hat er bisher nur sporadisch verfolgt. Er spielt selber Basketball seit der 3. Klasse, aber er ist nicht sonderlich gut und im fehlt inzwischen auch die Begeisterung für das eigene Spiel. Im Verein kommt er nicht weiter. Trainieren will er nicht. Die Auswärtsspiele an Samstagen empfindet er als Belastung. Er kommt mit den anderen Teammitgliedern nicht klar. Weil der Verein so wenige Mitglieder in seiner Altersstufe hat, sind U14 und U16 zusammengelegt worden. Sein aktueller Trainer ist der Sohn seines alten Trainers und er ist hart und fordernd. Er beschließt, mit dem Basketball im Verein aufzuhören.
Doch er liebt den Sport immer noch. Selbst spielt er nur noch selten, aber „sein“ Team, die Boston Celtics, sind wieder ein ernstzunehmendes Basketballteam.

 
Sommer 2008. Boston holt den NBA Titel. Nach 22 Jahren wieder. Der Junge nagelt sich sein Paul Pierce Jersey an die Wand.

 

Frühsommer 2009. Boston ist in den Playoffs ausgeschieden. Garnett, inzwischen seit 13 Jahren in der NBA, hatte sich am Knie verletzt. Ohne ihn fehlte ein wichtiger Bestandteil des Teams. Der Junge verliert wieder das Interesse am Sport.

 

Sommer 2010. Boston schafft es in die Finals und unterliegt dort in Spiel 7 gegen die Erzrivalen aus L.A. Der Junge ist inzwischen 16 und er entdeckt sein Feuer für den Sport wieder. Er beginnt öfter auf dem Freiplatz vor seiner alten Grundschule zu spielen und sich mit der Geschichte des Sportes selber zu beschäftigen. Er hat ein gutes Schuljahr hinter sich. Er ist selbstbewusster als früher. Er hat es endlich aus der Außenseiterrolle heraus geschafft und eine Gruppe guter Freunde um sich. Bei der Wahl seiner Kurse für die Oberstufe hat er sich den Sportkurs heraus gesucht, von dem er weiß, dass in ihm Basketball gespielt wird. Er freut sich auf das neue Schuljahr und die neue Saison.

Im selben Sommer geht er zwei Wochen nach England. Sprachschule. Er braucht es nicht, das wissen seine Eltern und er genau, aber sie wollen ihn ermöglichen, neue Menschen in einer neuen Umgebung kennen zu lernen, etwas Neues zu erleben. Auf dem Campus des englischen Colleges ist ein Basketball Court. Er verbringt große Teile seiner Freizeit dort. Er erkennt, dass er enorme Schwäche hat, aber das Spiel selbst macht ihm wieder Spaß. Er spielt gegen Franzosen, Japaner und Street-Baller aus New York. Er erfährt ehrliche Anerkennung für seinen Enthusiasmus und seine Leistungen. Sein letzter Moment auf dem Feld am letzten Abend seines Aufenthalts ist ein Game-Winning-Shot von ihm für sein Team.

In der NBA tut sich derweil einiges. Die Miami Heat haben es geschafft, drei All-Stars, darunter den wohl aktuell besten Spieler der Welt, LeBron James, in einem Team zu versammeln. Die „neue Big Three“ kündigt große Siege und viele Titel an. Der Saison-Opener gegen Boston geht allerdings klar verloren.

 

Sommer 2011. Boston hat in den Playoffs gegen Miami in der zweiten Runde verloren. Wieder hatte sich Garnett verletzt. Garnett, Pierce und Allen sind nun um die 35. Das Team wird als zu alt abgestempelt.

Für den Jungen hat sich das Jahr deutlich besser entwickelt. Er steht gut da in der Schule und hat in Sport 15 Punkte. Vor diesem Jahr stand er auf einer 3. Er spielt wieder viel selbst. Nicht im Verein, doch man findet ihn inzwischen häufig auf dem Freiplatz der Grundschule. Er arbeitet an sich und seinem Spiel. Er hat wieder echten Spaß am Spiel.

 

Sommer 2012. Boston spielt eine schlechte erste Saisonhälfte, doch das Team reißt sich zusammen und übertrifft in den Playoffs alle Erwartungen. Das Team, das viele bereits ein Jahr zuvor „zu alt“ nannten, steht in den Conference Finals, wo es den Miami Heat 7 Spiele abnötigt. Es ist ein würdiger Abschluss. Das Team wird es nächstes Jahr so nicht mehr geben. Die Ära der „Big Three“ endet 2012, aber sie endet in Würde. Was als 3-Jahres-Plan gedacht war, verabschiedet sich in Jahr 5 mit einer starken Leistung. Die Big Three sind im biblischen Basketballer-Alter von 36.

Der Junge ist begeistert. Das Team, an dem sein Herz so hängt, hat sich würdevoll verabschiedet. Sein Leben hat sich, grob gesagt, seit dem Zusammenkommen der Big Three verändert und vor allem verbessert. Die Frustration und die unangenehmen Jahre der Mittelstufe liegen hinter him. Die Abiturergebnisse stehen zwar noch aus, aber anhand der Leistungen in der Oberstufe kann man sagen, dass er sich ebenfalls anständig verabschiedet hat. Und so wie die Ära des Boston Celtics Teams zu Ende geht, geht seine Schulzeit zu Ende und ohne es genau beschreiben zu können, fühlt es sich für den Jungen dennoch so an, als würde eine gemeinsame Reise ihrem Ende entgegen gehen.

Schottland (2)

8. Juni 2012

Sonntag, 3. Juni

Edinburgh

Wir lassen die schottische Idylle hinter uns und begeben uns in die Großstadt. Abgesehen von den horrenden Parkpreisen ist Altstadt von Edinburgh wunderschön.
Ich vermisse nur einen preiswerten Pub und die Freundlichkeit der „Schotten vom Land“.

 

 

Montag, 4. Juni

Edinburgh II

Angenehmerweise dreht in Schottland niemand wegen des Thronjubiläums der Queen durch, aber man kommt in den Genuss reduzierter Preise aufgrund eben dieses Jubiläums. Bei uns würde niemand auf die Idee kommen, seine Preise wegen irgendeines Ereignisses zu reduzieren, da bin ich mir sicher.
Wirklich beeindruckend an Edinburgh sind im Wesentlichen drei Dinge:
1. Die wunderschöne und gut erhaltene Altstadt
2. Dass die Stadt quasi völlig abrupt an einem riesigen Berg aufhört, den man über einen Wanderweg begehen kann
3. Das wohl hässlichste Parlamentsgebäude Europas. Googlet es. Ich wollte von diesem Ding keine Bilder machen.

 

 
Mittwoch, 6. Juni

Filmfestival

Da in Edinburgh ein Filmfestival ist, das vor allem Klassiker und französische Filme zeigt, findet man mich, nachdem ich die Stadt bereits erkundet habe, hauptsächlich im Kino.
Ich kam unter anderem dazu, Ridley Scotts Prometheus zu sehen und ich bin absolut begeistert.
(Und dann war da noch der Pub, der mit über 90 Single Malts, Cognacs und Rum warb  und nichts von dem, was ich gerne trinke (nichts außergewöhnliches, aber auch nichts billiges), da hatte.)

 

 

Donnerstag, 7. Juni

Last Day

Der letzte richtige Tag in Schottland. Der Flug am Freitag geht um 10:40. Viel kann ich da also nicht mehr machen. Um den letzten Tag hier angemessen zu würdigen, bin ich in Ken Loachs neuen Film „The Angels‘ Share“ gegangen. Ein sehr schottischer Film, in dem es hauptsächlich um Whiskey geht. Auch hier eine Empfehlung von mir (Untertitel sind allerdings zu empfehlen, da der schottische Akzent wirklich sehr schwer zu verstehen ist.)
Und was macht man an seinem letzten Abend in Schottland, nachdem man in einem Film über Whiskey war? Man geht in den Pub. Habe einen wirklich guten gefunden, der alles bietet, was ich mir wünsche: entspannte Atmosphäre, kompetente Barkeeper, ein ansprechendes Ambiente und eine gute Whiskey-Auswahl.
Es war ein großartiger Abend. Um genau zu sein, war es der perfekte Abschluss.

 

 

Abschließend bleibt mir nur zu sagen:
Schottland, du warst wundervoll zu mir. Ich hatte eine großartige Zeit hier und ich verspreche dir, wir werden uns wieder sehen.

Schottland (1)

4. Juni 2012

Samstag, 26. Mai.

Erster Tag vom Rest meines Lebens

Ok, reichlich übertrieben, aber es klingt spektakulär. Eigentlich ist es nur der erste Tag nach dem letzten regulären Schultag meines Lebens. Aber was viel wichtiger ist: Meine Frustration ist weg.
Ich bin absolut entspannt. Keine Langeweile, obwohl ich nichts zu tun habe.
Keine Sorgen wegen Abiturnoten, Uni oder sonst irgendetwas.
Sogar mein Kopf, der mich sonst keine Minuten in Ruhe lassen kann, hält sich zurück.
Der Grund? Schottland!
Am Montag geht es los. Fast zwei Wochen auf den Britischen Inseln. Herrlich. Der einzige Ort, an dem ich bisher immer abschalten konnte und der in meinem Kopf eine Art Paradies darstellt.

 

 

Montag, 28. Mai

Flug und Ankunft

Fliegen erschien mir früher immer so aufwendig und kompliziert, heute finde ich es entspannter als Zugfahren. Am Flughafen fällt mein Blick auf die Anzeigetafeln. Flüge nach Dublin. Muss an letzten Oktober denken und werde etwas melancholisch. Dublin, wir müssen uns wiedersehen.
Amüsant hingegen sind immer die Menschen, die meinen, sich vordrängeln zu müssen. Am Ende steht man am Zielflughafen direkt neben ihnen am Gepäckförderband, aber ich bin sicher, die 3 Minuten, die sie früher im Flieger bzw. durch die Passkontrolle waren, haben sich für sie gelohnt. Es ist schließlich wertvolle Lebenszeit.

Cambusbarron, Vorort von Stirling, Schottland. Bis Sonntag mein Zuhause. Direkt über einem Pub. Direkt nach dem Einrichten der Internetverbindung unten vorbei geschaut.
Der Whiskey ist günstig und die Leute nett. Bin mir jetzt schon sicher, dass ich mich hier wohl fühlen werde.

 

 

Mittwoch, 30. Mai

Wasserschaden

Die Zeit gut genutzt, Schnäppchen bei Klamotten, Spielen und Filmen gemacht, in Glasgow gewesen, Loch Katrine besucht, eine gratis Whiskey Verkostung mitgemacht und jeden Abend auf ein paar Drinks in den Pub reingeschaut.
Wir gehören inzwischen zu bekannten Gesichtern in der Stadt, nachdem jemand von uns (nein, nicht ich) vergessen hatte, das Wasser in der Wohnung abzudrehen und damit den Pub darunter geflutet hat. Die Schotten nahmen es locker und haben jetzt eine weitere Geschichte zu erzählen.

 

 

Samstag, 2. Juni

Abschied

Der letzte Tag. Wir lassen Stirling hinter uns und wohnen noch eine knappe Woche in Edinburgh. Unsere Verabschiedung ist schon fast ein kleines Event im Pub. Die Stammgäste schenken mir eine Flasche Whiskey aus der lokalen Destillerie. Verspreche ihnen, wieder zu kommen und wir mit ihnen jeden Abend noch einen zu trinken. Verspreche außerdem, Regenschirme mitzubringen, falls wieder jemand den Pub flutet.