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Die Twitter-Reise

1. April 2012

Ich habe eine kleine Reise unternommen. Eine Woche lang durch Deutschland. Mainz, Trier und Dortmund waren die Stationen und ich habe verschiedene Leute besucht, die ich von Twitter her kannte.

Die Idee zu dieser Reise hatte ich, nachdem der Berlin-Trip mit Freunden ins Wasser fiel und ich mich mit viel zu viel Zeit nach dem Abitur konfrontiert sah.
Ich war in den Wochen vor dem Abi (mal wieder) extrem von meiner Heimatstadt und den Menschen dort frustriert. Das Gefühl, eingesperrt zu sein, sich nicht ausleben zu können, immer nur im knöcheltiefen Wasser zu stehen, wurde unerträglich. Ich musste da raus.
Meine Eltern hatten mir angeboten, mit mir einen kleinen Urlaub zu machen, aber mir war klar, dass ich, wenn ich wieder mit ihnen, die eindeutig Teil meines Alltages sind, unterwegs sein würde, ich nicht wirklich zufrieden sein würde.

Ich fragte daher ein paar Leute, von denen ich mir erhoffte, dass sie sich mit mir treffen wollen und mich auch bei sich übernachten lassen würden. Erfreulicherweise lehnte niemand ab und alle schienen die Idee gut zu finden.
Damit stand die Reise, die direkt am Montag nach dem Abi beginnen sollte, im Großen und Ganzen.

Das klingt alles nicht sonderlich spektakulär, aber für jemanden, der sich schwer mit fremden Menschen tut, wenn es über das Smalltalk-Level hinaus geht, ist eine solche Reise eine echte Herausforderung. Dass ich zu diesen Menschen gehöre, weiß ich bereits seit Jahren, obwohl ich ebenfalls seit Jahren bemüht bin, offener zu werden und besser mit anderen klar zu kommen.
Hinzu kommt, dass man sich natürlich auch immer die Frage stellt, ob die Menschen im echten Leben so sind, wie man sie auf Twitter kennen gelernt hat und ob man mit ihnen überhaupt klar kommt.

Es war ziemlich gut, dass ich in den Wochen davor durch das Abi abgelenkt war und das Wochenende vor der Reise selbst hauptsächlich von Müdigkeit geprägt war, sonst hätte ich mich wohl ein wenig verrückt (ja, noch mehr, als ich sowieso schon bin) gemacht.

Lange Rede, kurzer Sinn: Ich, der sich mit Fremden schwer tut und am liebsten auf Sicherheit spielt, habe ein halbes Dutzend Leute besucht, die ich nur über das Internet kannte und wurde, wenn überhaupt, nur positiv überrascht.
Jede Station war anders, alles war neu und doch hatte ich nie das Gefühl, dass ich fremd war. Ich hatte richtig tolle Tage und habe keine Sekunde bereut, diese Reise unternommen zu haben. Die Menschen hinter den Accounts kennen zu lernen, hat mir richtig Spaß gemacht und ich war in dieser Woche richtig glücklich (ein Zustand, der bei mir sehr, sehr selten vorkommt.)
Das liegt an verschiedenen Dingen:
Zuallererst, weil ich Menschen an sich mag, aber selten welche finde, mit denen ich wirklich „connecten“ kann. (man entschuldige das Denglisch)
Zweitens weil ich eine ganze Woche weg von meinem Alltag und den Menschen, die mir den Alltag vermiesen, war. Ich konnte mich, so kitschig das auch klingt, frei fühlen.
Drittens bin ich mir nun relativ sicher, dass ich auch an der Uni mit den Menschen klar kommen werde.  (Mich eingliedern war früher stets ein großes Problem.)
Viertens habe ich eine selbst gestellte „Herausforderung“ gemeistert und so etwas stellt einen immer zufrieden.

Diese tolle Erfahrung (und dieser mäßige Blogeintrag) wären aber niemals möglich gewesen, wenn mich @Colourfulzebra @Venousinsanity @Vorzeigemensch @Der_Ratze @prasti_minja und @Shira1983 nicht so freundlich aufgenommen hätten.
Ein ehrliches, tief empfundenes Danke für diese wunderbare Woche.

Ein Fav für euch als Menschen ^^

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