ER

ER war einst mein bester Freund. In einer Zeit, in der ich nur sehr wenige Freunde hatte und mich in der Schule recht alleine fühlte, gab er mir einen gewissen Halt (Mir völlig egal, wie kitschig das klingt.).
Ich war der einzige aus meiner Gegend in der Klasse und ich hatte es nach 2 Jahren am Gymnasium immer noch nicht richtig geschafft, Freunde zu finden.
Jene, mit denen ich in der 5. befreundet war, mobbten mich in der 6. und außer @legendjocker konnte ich niemanden wirklich als Freund bezeichnen.
In der 7. dann setzte er sich neben mich, hauptsächlich deswegen weil es der einzig freie Platz im Klassenzimmer war (wie bezeichnend).

Wir waren beide eher Außenseiter und wurden schnell Freunde. Wir teilten die Leidenschaft für Filme und Videospiele und waren uns sonst auch in vielen Belangen einig.
Das funktionierte über Jahre hinweg gut und auch als ich anfing, mich zu ändern und den anderen Leuten zu öffnen, blieb unsere Freundschaft bestehen. Wir hatten nicht mehr so viele Fächer zusammen wie früher und in den Mittagspausen war ich mit anderen Leuten unterwegs, aber das war alles kein Problem.

Vor etwas mehr als einem Jahr begann er sich zu verändern. Früher hatte er ganze Tage vor der Spielkonsole oder dem Fernseher verbracht und unsere Gespräche bestanden aus so ziemlich genau dem. Doch dann änderte er sich.
Er schlief den ganzen Tag, war schlecht drauf und sprach in den wenigen Momenten, in denen ich das Gefühl hatte, dass er noch wirklich ehrlich und nicht nur abweisend war, von Selbstmord. Er erklärte mir, dass er nicht wisse, wie er mit seinem Leben weitermachen solle, seine Familie wüsste von nichts, er könne auch nicht mit ihr darüber reden. Seinen Freunden könne er auch nichts erzählen, die würden ihm nur sagen, dass er mal feiern müsse (etwas, das er nie tat.).  Ich habe ihm damals gesagt, dass er immer zu mir kommen könne, wenn er Probleme habe und er war dankbar zunächst für dieses Angebot.

In dieser Zeit begann er auch mehr mit Frauen zu unternehmen. Er war nur noch mit den, seien wir ehrlich, dummen und eher schlecht aussehenden Frauen unterwegs, aber er erzählte ihnen, im Gegensatz zu uns, seinen männlichen Freunden, alles. Sie wussten Dinge über ihn, die wir auch nach mehrjähriger Freundschaft nicht wussten.

Wir begannen uns von ihm zu entfernen. Er machte nichts mehr mit uns. Die dicken Frauen waren jetzt seine besten Freunde und wir waren unbedeutend geworden. Doch er fing auch an, sich mit den, bleiben wir ehrlich, Idioten unserer Jahrgangsstufe anzufreunden. Innerhalb weniger Monate war aus ihm ein Typ geworden, der mit dummen Frauen und Männern zu tun hatte und plötzlich Spaß an Dingen hatte, die er früher noch verabscheute.

Aber gut, man lebt sich aus einander, was solls, passiert. Warum ich diesen Eintrag dann schreibe?
Weil er immer schlimmer wird. Er verbringt seine Tage auf facebook und scheint große Freude daran zu haben, mir unter meinen gelegentlichen Statusupdates zu erklären, was ich für ein Idiot sei (Ich erspare mir und euch jetzt Beispiele.).
Man kann mir nun vorwerfen, dass ich mich doch eigentlich nur übermäßig aufrege, wir kennen alle Menschen, mit denen wir nicht klarkommen und die meisten kennen auch das Phänomen, dass man mit einer Person, mit der man früher sehr gut befreundet war, öfters aneinander gerät.
Ich rege mich nur deshalb so auf, weil ich immer für ihn da war, wohingegen er mir inzwischen vorhält, ich sei ein „Spasst und hätte kein Leben“. Nicht nur, dass die Vorwürfe absurd sind, nein, es sind die selben Vorwürfe, die er sich von anderen über Jahren hinweg anhören musste.

 

Eigentlich sollte ich nur bitter lachen und mich nicht darum scheren.

 

 

 
Und wer jetzt meint, dass das geschrieben sei, wie eine 14jährige, die ihrer ersten großen Liebe nachtrauert, dem sage ich: JA VERDAMMT! NA UND?

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Eine Antwort to “ER”

  1. Stöckchen « workbuyconsumedie Says:

    […] IHN. Er ist noch indirekt Teil meines Lebens, aber es ist nicht mehr das, was es früher einmal war. […]

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